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Mit Bodybuilding die Skoliose überlistet

Als Kind wurde sie wegen ihres Korsetts gehänselt. Als junge Frau für ihren trainierten Körper bewundert. Dank diszipliniertem Training konnte die Sanagate-Mitarbeiterin und Vize-Schweizermeisterin in „Bikini Fitness“ die operative Versteifung ihrer Wirbelsäule abwenden.

Jelena beim Krafttraining

Gezieltes Fitnesstraining hat das Leben von Jelena Vasovic komplett verändert. FOTO z.Vg. JELENA VASOVIC

Kinder sitzen hie und da krumm auf einem Stuhl, das ist normal. Die schräge Haltung von Jelena Vasovic war es nicht. Mit 8-jährig wurde bei ihr Skoliose diagnostiziert – eine Verdrehung sowie Verkrümmung der Wirbelsäule. Um der Fehlstellung entgegenzuwirken, musste Jelena über mehrere Jahre Tag und Nacht ein Korsett tragen „Das war eine sehr grosse Belastung für mich – physisch wie psychisch“, erinnert sich die schweizerisch-serbische Doppelbürgerin.

Der gewünschte Effekt blieb jedoch aus. Um eine Verschlimmerung der Skoliose sowie allfällige Spätfolgen vermeiden zu können, schien eine Versteifung der Wirbelsäule unausweichlich. Doch wenige Tage vor der Operation sagte Jelena den Eingriff ab.

Hartes Training statt Strandurlaub
„Ich wollte nicht, dass mein Körper bereits mit 12 Jahren irreversibel verändert wird“, erklärt die Sanagate-Mitarbeiterin ihren Entscheid. Sie sei überzeugt gewesen, dass es einen anderen Weg als die Operation geben musste. Von Bekannten aus ihrem zweiten Heimatland hat Jelena von einem Dozent für Biomechanik in Belgrad erfahren, der mit seinem Trainingskonzept bei Patienten mit Rückenprobleme massive Erfolge erreichen könne. Anstatt also im Sommer an den Strand zu fahren, reiste Jelena mit ihrer Familie nach Belgrad.

Obwohl das gezielte Krafttraining zuerst ein ähnlicher Zwang gewesen sei wie das Tragen des Korsetts, bemerkte Jelena schnell den positiven Effekt: „Das Training war sehr hart, aber es tat mir gut und ich fühlte mich bereits nach kurzer Zeit viel besser.“ Dank dem disziplinierten Training über mehrere Jahre konnte Jelena ihre Rückenmuskulatur so aufbauen, dass sie fortan auf das Korsett verzichten konnte.

Bodybuilding mal nicht à la Schwarzenegger
Mit dem positiven Effekt auf ihr Wohlbefinden entwickelte sich auch Jelenas Freude am Fitnesstraining. 2008 absolvierte sie die Ausbildung zur Aerobic Instruktorin und unterrichtete Dance Aerobic, Bodytoning und Bodypump. „Es bereitet mir grossen Spass, Leute zu motivieren und zusammen Fortschritte zu machen.“ Um sich selber auch wieder weiterzubringen, wuchs das Interesse an einer kompetitiven Sportart.

„Eine gute Freundin hat mir deshalb Bodybuilding-Wettkämpfe empfohlen“, erzählt Jelena. Und wie viele, die beim Wort Bodybuilding an Arnold Schwarzenegger denken, hat auch sie zuerst über diesen Vorschlag gelacht. „Ich wusste aber nicht, dass es beim Bodybuilding die Kategorie „Bikini Fitness“ gibt“, erklärt die 25-Jährige. „Das ist eine spezielle Kategorie für Damen, die ihren sportlichen und wohl proportionierten Körper mit anderen vergleichen möchten.”

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In der Kategorie Bikini Fitness zählt nicht die reine Muskelmasse, sondern eine gesunde Gesamterscheinung. Von links: Jelena als Vize-Schweizermeisterin 2013, mit der Siegertrophäe an der serbischen Meisterschaft und an der Weltmeisterschaft in Montreal 2014. FOTOS z.Vg. JELENA VASOVIC

2013 trat Jelena das erste Mal auf eine Bodybuilding-Bühne und wurde in ihrem ersten Jahr direkt Vize-Schweizermeisterin in der Kategorie Bikini Fitness über 166 cm sowie kurz darauf auch serbische Gesamtmeisterin derselben Kategorie.

Der Körper sagt dir, was du brauchst
Jelenas Wettkampfgeist war geweckt und die Fitnessathletin wurde in Serbien in den Nachwuchskader aufgenommen. „Es war eine spannende, aber auch sehr intensive Zeit“, erzählt Jelena. Die harten Trainings und die Reiserei an die internationalen Wettkämpfe verlangten der jungen Athletin einiges ab.

Ihr Coach wollte den Trainingsplan stets strikte einhalten und liess dabei das Wohlbefinden seiner Sportlerin ausser Acht. „Mein Körper konnte sich in den kurzen Regenerationszeiten gar nicht mehr richtig erholen“, blickt Jelena zurück. Was sie einst für ein besseres Körpergefühl begonnen hatte, wurde zur Strapaze. Deshalb entschied sie vergangenes Jahr, sich aus den Wettkämpfen zurückzuziehen und ihren Weg neu als Trainerin fortzusetzen.

Die individuelle Trainings-Balance finden
„Ich habe gelernt, dass man nicht nur nach Kopfzielen trainieren soll, sondern beim Training immer auf seinen Körper hören muss“, sagt Jelena und ergänzt: „Die richtige Balance zwischen Training und Erholung sowie auch die richtige Ernährung sind dabei essenziell.“ Um anderen dabei zu helfen, diese Balance zu finden, hat Jelena ihre Firma „Body & Mind by Jelena Vasovic“ gegründet.

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Um Muskelmasse aufzubauen steht min. zwei mal pro Woche gezieltes Training an. Im Bild: 2016 begleitete Jelena ihre erste Athletin an einen Bikini Fitness Contest (mitte) und ihre Schwester Mirjana Zuber bereitete sie auf die Miss Schweiz Wahl 2014 vor (l. und r.). FOTOS z.Vg JELENA VASOVIC

Als Personaltrainerin begleitet sie Menschen auf ihren unterschiedlichen Wegen. Dabei sei wichtig, dass jedes Training individuell gestaltet werde: „Nachhaltige Trainingserfolge können nur erzielt werden, wenn auch die körperliche und psychische Konstitution des Sportlers zu jeder Zeit berücksichtigt werden“, erklärt Jelena.

Es sei auch wichtig, dass sie einen Athleten bremsen könne, wenn dieser zum „Übertrainieren“ neige, sagt Jelena: „Ich habe selber erfahren, wie wichtig es ist, seinem Körper Sorge zu tragen.“

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