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Was ist der Risikoausgleich und wozu?

Machen Krankenversicherungen Jagd auf gesunde Junge? Selektieren Versicherungen die „guten Risiken“? Der Risikoausgleich verhindert solche Praktiken und sorgt für Fairplay auf dem Versicherungsmarkt.

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Ziel des Risikoausgleiches: Ob jung oder alt, krank oder gesund, alle Versicherten sollen den gleich fairen Service erhalten. FOTOLIA

Es ist nicht wie früher bei der Mannschaftswahl im Turnunterricht; Krankenversicherungen dürfen nicht nur die „guten“ Versicherten auswählen. Krankenversicherer unterliegen dem sogenannten Aufnahmezwang. So wie es für alle in der Schweiz wohnhaften Person obligatorisch ist, eine Krankenversicherung abzuschliessen, so müssen Versicherungen auch jede Person aufnehmen, die in der Grundversicherung* einen Antrag stellt.

Trotz dieses Aufnahmezwangs bestehe dennoch die Gefahr, dass einzelne Versicherungen bei der Aufnahme von Kunden unfair vorgehen, weiss der Ökonom Prof. Dr. Konstantin Beck. „Es muss den Versicherungen deshalb jeder Anreiz genommen werden, dass Sie Personen aufgrund Ihres Alters oder Gesundheitszustandes bevorteilen.“

*Bei Zusatzversicherungen besteht kein Aufnahmezwang und Versicherungen können einen Antrag ohne Begründung ablehnen.

Der Risikoausgleich „belohnt“ für alte Versicherte
Da das Schweizer Gesundheitswesen auf dem Solidaritätsprinzip basiert, bezahlen alle Erwachsenen – unabhängig Ihres Alters und ob krank oder gesund – die gleiche Prämie. Prämienabstufungen gibt es nur nach Kanton und Region.

„Ein unfairer Versicherer ist dadurch versucht, Jagd auf gesunde Kunden zu machen“, erklärt Beck, Leiter des CSS-Instituts für empirische Gesundheitsökonomie. Denn mit gesunden Kunden habe eine Versicherung tendenziell weniger Ausgaben und könne folglich auch tiefere Prämien anbieten. Beck erläutert weiter: „Unfaire Versicherungen können sich so einen erheblichen Vorteil am Markt verschaffen, wohingegen der faire Versicherer, mit vielen kranken Kunden, Gefahr läuft, Konkurs zu gehen.“

Deshalb kommt der Risikoausgleich ins Spiel und sorgt dafür, dass kranke Personen nicht ins Abseits gestellt werden. Der Risikoausgleich gleicht die Unterschiede in den Versichertenstrukturen unter den verschiedenen Versicherungen finanziell aus. Die Versicherung mit einem hohen Altersschnitt der Versicherten erhält einen Zustupf aus dem Risikoausgleich – da bei älteren Personen, tendenziell höhere Leistungskosten anfallen. Eine Versicherung mit mehrheitlich jungen Versicherten bezahlt hingegen in den Risikoausgleich ein.

Der Risikoausgleich betrachtet nun auch die jungen Kranken
Damit Versicherungen aber auch kranke Personen nicht diskriminieren, berücksichtigt der Risikoausgleich bislang auch stationäre Behandlungen. Für versicherte Personen, die im Vorjahr während mehr als zwei Tagen in einem Pflegeheim oder Spital behandelt worden sind, erhalten die Versicherungen ebenfalls einen Beitrag aus dem Risikoausgleich.

Ab dem 1. Januar 2017 werden die Indikatoren Alter, Geschlecht und stationärer Aufenthalt um ein weiteres Kriterium ergänzt. Neu werden nun auch Arzneimittelkosten in die Berechnungen des Risikoausgleiches aufgenommen. So werden auch kostenintensive Versicherte berücksichtigt, die sich zwar nicht in einem Spital behandeln lassen müssen, aber z. B. aufgrund einer chronischen Erkrankung regelmässig auf teure Medikamente angewiesen sind. Dadurch können die Zahlungen in und aus dem Risikoausgleich noch differenzierter verteilt werden.

Der Risikoausgleich beeinflusst die Prämien
Durch die Verfeinerung des Risikoausgleiches per Anfang des kommenden Jahres kommt es zu einer Neu-Einstufung der jeweiligen Versichertenkollektive. Durch das neue Kriterium des Medikamentenbezuges kann es sein, dass Versicherungen, die bislang Zahlungen aus dem Risikoausgleich erhalten haben, nun selber in den Risikoausgleich einzahlen müssen.

Solche Zahlungen in den Risikoausgleich gelten als Leistungskosten und müssen von den Versicherungen durch die Prämieneinnahmen gedeckt werden. Wenn sich die Risikoausgleichszahlungen also verändern, hat dies entsprechend direkten Einfluss auf die Höhe der Versicherungsprämien.

Der Risikoausgleich garantiert Fairplay auf dem Versicherungsmarkt
schiri2Der Risikoausgleich ist ein massgebendes Mittel, um den Solidaritätsgedanken des Schweizer Gesundheitswesens auch weiterhin zu garantieren. Er bezweckt für die Versicherungen keinen Ausgleich der anfallenden Leistungskosten, sondern stiftet lediglich eine Balance in den unterschiedlichen Risikostrukturen, um die Bevorzugung von einzelnen Versichertengruppen zu verhindern.

Der Risikoausgleich könne quasi als Schiedsrichter auf dem Versicherungsmarkt betrachtet werden, der für Fairplay und gleiche Bedingungen sorgt, meint Beck. „Ohne Schiedsrichter spielen auch faire Fussballer mit der Zeit immer unfairer.” 2019 steht deshalb eine weitere Verfeinerung des Risikoausgleiches an.

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