einfach versichert

Wer übernimmt Ihre Unfallkosten?

Unfälle sind schnell passiert und können schnell ins Geld gehen. Erfahren Sie, welche Kosten Ihre Krankenversicherung übernimmt und wie Sie sich vor Folgekosten schützen.

Kostenübernahme bei Unfall

Damit Sie auch nach einem Unfall vor Folgekosten geschützt sind, melden Sie Ihrer Versicherung jede unfallbedingte Behandlung. ISTOCKPHOTO

Wer in der Schweiz mehr als acht Stunden beim gleichen Arbeitgeber arbeitet, ist automatisch via seines Betriebes in der obligatorischen Unfallversicherung (UVG) versichert. Kindern, Studenten oder Rentnern fehlt diese Unfallversicherung. Deshalb schliessen sie die Unfalldeckung in ihrer Krankenversicherung ein.

Unterschiede Unfallversicherung (UVG) und Unfalldeckung via Krankenversicherung

Die kleine Eisprinzessin Lisa liebt es, nach der Schule über das Eisfeld zu gleiten. Dabei eifert sie fleissig den Sprüngen der Profis nach. Doch nach einem Rittberger in seinen Anfängen landet Lisa nicht auf ihren Schlittschuhen, sondern dem Gesicht. Ein Unfall, mit kaputter Sonnenbrille. Wer haftet?

  • Keine Übernahme von Sachschäden

Die kleine Lisa ist bei ihrer Krankenversicherung gegen Unfall versichert. Im Gegensatz zu der Unfallversicherung, die etwa ihr berufstätiger Vater hat, orientiert sich die Unfallversicherung bei der Krankenversicherung nach dem Krankenversicherungsgesetz (KVG). Dieses schreibt vor, dass lediglich Heilungskosten übernommen werden. Sachleistungen wie eine kaputte Sonnenbrille müssen Lisas Eltern selber tragen.

Beim Sturz wurde nicht nur die Sonnenbrille in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch Lisas Schneidezahn hat nun eine Ecke ab. Da es kein Milchzahn mehr war, wird Lisas Zahn mit einem künstlichen Aufsatz ergänzt. Die Beisserchen sind fast wie neu. Aber wer bezahlt die Zahnarztrechnung von CHF 470?

  •  Franchise und Selbstbehalt auch bei Unfall

Wer im Rahmen seiner Krankenversicherung gegen Unfall versichert ist, beteiligt sich – wie sonst auch im Krankheitsfall – mit Franchise, Selbstbehalt und allfälligem Spitalbeiträge an den Kosten. Weil Lisa sonst ein gesundes Kind ist, haben sich die Eltern für die CHF 300 Franchise entschieden. Das bedeutet, dass sich die Eltern wie folgt an der Zahnarztrechnung beteiligen:

Rechnung CHF 470
- Franchise - 300   Anteil Eltern
- Selbstbehalt (10 %) - 17
Übernahme durch Versicherung CHF 153

Hinweis: Franchise und Selbstbehalt, die Sie bei Unfällen selber übernehmen, gehen auf das gleiche «Konto», wie Franchisen-Beteiligungen, die Sie im Rahmen von Krankheiten selber tragen.

Schützen Sie sich vor Folgekosten – melden Sie jeden Unfall

Lisas Eltern senden die Rechnung zur Rückforderung an die Krankenversicherung. Was die Eltern dem Versicherer ebenfalls unbedingt zustellen sollen, ist die Unfallanzeige. So wird der Zahnunfall in Lisas Akten aufgenommen. Denn bei einem Unfall, deckt die Versicherung auch allfällige Folgeschäden – aber nur, falls der Unfall damals auch gemeldet wurde. Muss Lisa ihren Schneidezahn etwa ein paar Jahre später durch einen Stiftzahn ersetzen, sind die Kosten von der Krankenversicherung gedeckt.

Wichtig: Die Beweispflicht für eine Unfallmeldung liegt bei der versicherten Person. Bewahren Sie Unfallanzeigen sowie sämtliche damit verbundene Kostengutsprachen und medizinische Unterlagen sorgfältig auf.

Was, wenn Lisa später in der Lehre über ihren Ausbildungsbetrieb unfallversichert ist? Der Zahnunfall bleibt in den Akten der Krankenversicherung und diese kommt für Folgekosten auf. Wechselt Lisa ihre Krankenversicherung, werden die Akten übermittelt und allfällige Kosten, die aus dem damaligen Zahnunfall entstehen, auch von der neuen Versicherung (unter Berücksichtigung von Franchise und Selbstbehalt) übernommen.

Was ist «Unfall»?
Ein Unfall ist ein plötzliches, unvorhergesehenes, zeitlich und örtlich bestimmbares, unfreiwilliges und von aussen einwirkendes Ereignis, bei dem eine Person einen Schaden erleidet.
(Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungen (ATSG) Art. 4)

Unfallkosten bei Berufstätigen

Berufstätige sollten daran denken, einen Unfall immer direkt der Unfallversicherung ihres Arbeitgebers zu melden. Somit sind nicht nur Sachschäden, sondern auch allfällige Heilungskosten vollumfänglich gedeckt. Lassen Sie Behandlungskosten über Ihre Krankenversicherung laufen, müssten Sie sich wie Lisas Eltern mit Franchise und Selbstbehalt beteiligen. Zudem wäre der Unfall auch nicht als solcher in Ihren Akten hinterlegt, womit allfällige Folgekosten nicht auf den Unfall zurückzuführen wären.

Vorgehen bei Unfall

  1. Nach Arztbesuch Unfallanzeige ausfüllen und Ihrer Versicherung zustellen. (Die Unfallanzeige ist immer nach jedem Unfall auszufüllen, egal ob eine Behandlung beim Hausarzt oder in der Notfallaufnahme des Spitals nötig war.)
  2. Arztrechnungen vollständig begleichen (gewisse Leistungserbringer wie etwa Spitäler, senden die Rechnungen direkt an Ihre Versicherung).
  3. Rechnung zur Rückforderung bei Ihrer Krankenversicherung einreichen.
  4. Ihre Versicherung zahlt Ihnen die Leistungsübernahme – abzüglich Franchise und Selbstbehalt – zurück.
  5. War eine Drittperson am Unfall beteiligt, nimmt Ihre Krankenversicherung Regress auf die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. D. h., Ihre Krankenversicherung übernimmt die Leistungen in einem ersten Schritt (vorleistungspflichtig) und fordert allfällige Kosten anschliessend direkt bei einer Haftpflicht- oder Unfallversicherung ein.

Das könnte Sie auch interessieren:

Spitalaufenthalt: Was ist wichtig?

Spitalwahl – wo bezahl ich drauf?

Vorsorge für das Unerwartete