Versicherungen auf die Finger schauen

Das Wirken der Krankenversicherer stärker kontrollieren – das will das neue Gesetz über die Krankenversicherungsaufsicht, welches seit anfangs 2016 in Kraft ist. Bei Verstössen drohen nun Bussen bis zu 100‘000 Franken.

FOTOLIA

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist verantwortlich und überprüft, dass die Versicherer das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) einheitlich anwenden. Im Herbst 2014 hat das Parlament einem Gesetz zugestimmt, das diese Aufsichtstätigkeit erweitert und verstärkt. Seit 1. Januar 2016 ist das neue Gesetz nun in Kraft. Das Gesetz bezweckt die Interessen der Versicherten zu schützen, die Transparenz in der Krankenversicherung zu erhöhen und die Solvenz d.h. die Zahlungsfähigkeit der Versicherer zu gewährleisten.

Dies ändert sich mit dem neuen Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) unter anderem:

Wer mehr übernimmt, wird gebüsst
Welche Leistungen wie von der Grundversicherung gedeckt sind, definiert das Krankenversicherungsgesetz und die dazugehörigen Verordnungen wie etwa die Krankenpflege-Leistungsverordnung. Diese Leistungen müssen von allen Versicherungen genau gleich übernommen werden.

Neu gilt dabei: keine weniger und keine mehr! Übernimmt eine Versicherung künftig Leistungen, die nicht vom Gesetz vorgesehen sind, wird die Versicherung mit bis zu 100‘000 Franken gebüsst.

Beispiel: In einer normalen Schwangerschaft sieht das Gesetz zwei Ultraschalluntersuchungen vor, die von der Grundversicherung bezahlt werden müssen. Bezahlt die Versicherung der Patientin zusätzlich einen dritten Ultraschall, kann eine ordentliche Busse im Briefkasten der Versicherung landen.

Spätere Bekanntgabe der neuen Prämien
Krankenversicherer dürfen Ihre Prämien nach wie vor nicht willkürlich definieren. Die geschätzten Einnahmen müssen pro Geschäftsjahr die geschätzten Ausgaben decken. Mit der Prämienhöhe muss so etwa gewährleistet werden, dass im kommenden Jahr die anfallenden Gesundheitskosten der Versicherten bezahlt werden können. Jeweils im August wird überprüft, ob die Prämien für das nächste Jahr aus diesem Grund angepasst werden müssen. Die neuen Prämien werden dann stets vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) kontrolliert und genehmigt.

Bislang durften die Versicherungen im Sommer – unter Kennzeichnung – bereits die provisorischen Prämien bekannt geben. So konnten Sie als versicherte Person bereits die unterschiedlichen Angebote vergleichen.

Neu dürfen die Prämien erst nach definitiver Genehmigung durch das BAG veröffentlicht werden. Dieses Jahr können Sie deshalb die Prämien erst ca. gegen Ende September vergleichen.

Offenlegung der Löhne von Verwaltungsrat und Konzernleitung
Die Entschädigungen des Verwaltungsrats sowie der Konzernleitung müssen neu offengelegt werden. Dabei haben die Versicherungen pro Organ die Gesamtentschädigung sowie die höchste Einzelentschädigung auszuweisen.

Die Mitglieder des Branchenverbandes curafutura, zu der auch das Mutterhaus der Sanagate, die CSS, gehört, haben dies im vergangenen Jahr bereits auf freiwilliger Basis gemacht.

Aufnahmepflicht wird durchgesetzt
Jede in der Schweiz wohnhafte Person ist verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschliessen. Im Gegenzug muss jede Versicherung auch jede Person auf Wunsch in der Grundversicherung aufnehmen.
Lehnt eine Versicherung die Aufnahme einer Person in die Grundversicherung ab, kassiert die Versicherung vom BAG neu eine saftige Busse von bis zu 100‘000 Franken. So verleiht das BAG der Versicherungspflicht erheblich Nachdruck, damit niemandem die freie Wahl einer Grundversicherung verwehrt wird.

Hinweis: Für Zusatzversicherungen gilt nach wie vor keine Aufnahmepflicht.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit.

SHARE....

4 Kommentare

  1. ich denke man müsste auch bei den Hausärzten und den Farmariesen auf die Finger schauen denn da werden unheimliche Preise verlangt nur damit die Aktionäre gewinn erhalten und gewinne in Millionen sogar Milliarden erwirtschaftet, auf dem Buckel von uns, da tut die Politik leider nichts, haben immer wieder fadenscheinheilige ausreden im Petto. Zu schade aber eben das Geld regiert die Welt traurig aber war, die Gier der Menschen ist unerschöpflich.

    • Lieber Roland
      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Als Versicherer setzen wir zusammen mit den Branchenverbänden alles daran, dass wir in der Schweiz auf faire Medikamentenpreise zählen können. Wie Sie sagen, ist hier aber noch ein Weg zu gehen. Die Medikamentenpreise werden vom Bundesamt für Gesundheit festgelegt und wir sind bestrebt, hier mehr Einfluss zu Gunsten der Versicherten zu gewinnen.
      Freundliche Grüsse
      Ihr Sanagate-Team

    • … sehr gut geschrieben.

      Kosten entstehen, wo solche Preise verlangt werden und dem Patienten “ nur ein billiges “ Medikament bezahlt wird.
      Extra vereinfacht geschrieben.
      Zudem wo die Zweiklassenmedizin noch mehr oder einfach gefördert wird, dort entstehen immense Kosten.
      Es ist doch “ ganz normal „, wenn ich z. Bsp. als Berater von einem Lohnempfänger v. über CHF 120’000 / Jahr z. Bsp. 20 % Beratungshonorar bekomme / verlangen und von jemand mit einem Jahreslohn v. CHF 60’000 / Jahr nnur 10 %.
      Dann sucht sich doch jeder zuerst die Rosinen. Also der Chefarzt wäre ja dumm, wenn er nicht zuerst die Privat- resp. Halbprivatpatienten operiert, da schaut ja mehr raus für ihn.

      Da müsten mal die 7 Bundeszwerge aus ihren Höhlen kommen, Weiterbildung im Krankenversicheurngswesen machen und dann sich in die Problematik einstudieren und dann darüber brüten. Vielleicht kämen dann nicht nur Kuckuseier zum Vorschein.

      • Lieber Benn
        Danke für Ihren Kommentar. Wie sie sagen, gibt es viele Faktoren, welche die Kosten im Gesundheitswesen beeinflussen.
        Freundliche Grüsse
        Ihr Sanagate-Team

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*